Krankenversicherung: mein Ärger mit der AOK!
Seit meinen 15ten Lebensjahr, ich war damals in der Ausbildung zum Maurergesellen, bin ich Mitglied bei der AOK. Jahrelang war ich auch zufrieden und habe mir, trotz vielfältiger Angebote, die teils erheblich preiswerter und leistungsstärker waren, nie Gedanken drüber gemacht aus diesem sozialen Verbund auszusteigen. Heute bereue ich das sehr!
Was ist passiert, was mich so böse auf die AOK (Allgemeine Orts Krankenkasse) macht?
Anfang 2003 habe ich mich mit einem Intershop für Wasserbetten selbständig gemacht. Ich blieb bei der AOK und habe im ersten Jahr auch nur den Mindestsatz bezahlt. Dann wurde ich um rund 25.000,- Euro betrogen (der Betrüger ist rechtskräftig verurteilt worden) und einige Dinge glitten mir aus den Händen und ich musste richtig heftig um meine noch junge Firma kämpfen. Einen Bescheid, dass man mich auf Höchstsatz gesetzt habe, habe ich entweder nicht erhalten oder übersehen. Ich hatte, offen gesagt, auch anderes zu tun, als mich um eine Abbuchung in Höhe von rund 550,- Euro zu kümmern. Immerhin kämpfte ich um das Überleben einer Firma die (betrugsbedingt) mit null Kapitaldecke einige hundert Tausend Euro bewegte und mein Einkommen war so schlecht nun auch nicht und ich konnte mir den Höchstsatz eigentlich recht gut leisten. Außerdem war das Geld bei der AOK (so glaubte ich) ja für die Krankenversorgung von Menschen aus meiner sozialen Schicht (der Arbeiterklasse) sicherlich nicht schlecht ausgegeben. Bei allem Stress der Selbständigkeit auch in den kommenden Jahren bis 2006 habe ich die Firma recht ordentlich aufgebaut. Allerdings seit dem Betrug - der mich doch mehr als angeschlagen hat - konnte ich keine rechte Ordnung mehr in meinen Papieren zustande bekommen. Meine Steuer für die Jahre 2004 bis 2006 habe ich erst jetzt in den letzten Tagen (jeweils pro Jahr eine ganze Umzugskiste voller Belege) für den Steuerberater aufgearbeitet.
Meine Firma, ich hatte mich wirklich aufgearbeitet und war am Ende einem Nervenzusammenbruch nahe, habe ich im März 2006 aufgelöst. Kurz vorher hatte ich noch ein Gespräch mit der AOK über meine überhöhten Beitragszahlungen. In dem Gespräch teilte mir die AOK mit, dass ich ruhig meine Steuerunterlagen nachreichen könne, sie würden eh nichts zurückzahlen! Das wäre einfach so und basta! Nun gut, in 2005 habe ich zwar wirklich nicht gut verdient, aber wenn das so ist, dann können die Steuern auch noch etwas warten! Ich ging also erst einmal zum Arbeitsamt, wo ich noch Restanspruch von 9 Monaten hatte, und das Thema AOK - Allg. Orts Krankenkasse - war erst einmal erledigt. So dachte ich zumindest. Die AOK buchte von meinem Konto dann doch tatsächlich noch für meinen ersten Arbeitslosenmonat rund 550,- Euro ab. Gut denke ich mir, mal anrufen, was da los ist. Die Antwort etwas erschreckend: „Nein, auf dem Einzug stehe zwar der April, aber das Geld ist für den März, das ist leider computertechnisch nicht anders möglich“.
Da muss ich doch gar nicht lange grübeln und hole mir das Geld zurück! Für mich sieht das so aus, als ob das doppelt bezahlt ist und so kann ich als Selbständiger auch nicht arbeiten. Sollen die das Geld doch einklagen. Meinen Kontoauszug, wo dick und fett drauf steht, dass ich für den Monat bei der AOK meine Beiträge gezahlt habe, den habe ich und Ende!
Doch weit gefehlt. Die AOK darf, so war es zumindest bei mir, ohne gerichtlichen Beschluss einem den Gerichtsvollzieher auf den Hals hetzen, der dann im Extremfall zum Offenbarungseid bittet! Verkehrte Welt, denke ich mir, und bezahle der AOK (Allgemeine Orts Krankenkasse) den Betrag, der mittlerweile schon etwas mehr geworden ist. Was soll ich mich über die AOK noch ärgern, ich bin jetzt erst einmal arbeitslos und dann wechsele ich zu einer anderen Kasse. Für solche Summen, da renne ich nicht zum Anwalt, denn meine Zeit ist wie ich finde mehr wert!
Da habe ich – ich meine mit dem Wechseln - aber auch falsch gelegen. Bis heute habe ich es nicht geschafft, bei der AOK auszutreten. Und das müsste ich, wenn ich in einer Gesetzlichen Kasse unterkommen will. Und das, tief im Innersten bin ich Sozialist, will ich auf jeden Fall.
Aber diese Story ganz langsam und in aller Ruhe:
Irgendwann ist die schönste Arbeitslosenzeit vorbei und Hartz IV, na darüber müssen wir wohl nicht reden. Das will ich nicht und das geht auch nicht! Obwohl, ich habe da nur aufgrund des Stresses mit der AOK (Allgemeine Orts Krankenkasse) ernsthaft drüber nachgedacht!
Aber gut, diese Gedanken sind eher theoretisch!
Als ich nun beim Arbeitsamt aus den Leistungen draußen war, kümmerte ich mich um eine Mitgliedschaft bei der Techniker Krankenkasse. Ganz problemlos sollte das gehen, so dachte ich! Bei der Techniker Krankenkasse erfuhr ich erst einmal, dass ich mich, weil das der Gesetzgeber so wünscht, erst mal wieder bei der AOK anmelden muss, um dort dann zu kündigen und ich mich dann mit einer bestätigten Kündigung bei der Techniker Krankenkasse anmelden kann. Verstehe das, wer will – für mich bürokratischer Irrsinn – aber gesagt getan. Und schwupp, ich erhalte von der AOK eine Mitgliedsrechnung in Höhe des Maximalbeitrags von rund 550,- Euro. Äh, so haben wir aber nicht gewettet, dachte ich mir, denn ich verdiene aus Einnahmen meiner jetzigen Tätigkeiten höchstens ein paar Kröten. Bei einem Anruf sagte man mir, ich solle halt meine Steuerunterlagen (die ich, okay meine Schuld, nicht habe) vorlegen und man würde nach diesen berechnen. Alternativ könne ich ihnen auch gestatten, auf mein Konto zu schauen. Frechheit ist so ziemlich das harmloseste was ich bei dem Anliegen dachte! Ich setzte nun umgehend ein Schreiben auf, in dem ich meine Anmeldung widerrief und entzog der AOK in diesem Schreiben ausdrücklich die Einzugsermächtigung für mein Konto. Was soll ich sagen, die scherten sich überhaupt um einen Widerspruch der Einzugsermächtigung und zogen mir, frech wie ich finde, rund 2500,- Euro für 4 oder 5 Monate von meinem Konto ab. Das Geld holte ich selbstverständlich auch wieder zurück und warte was passiert. Seit gut drei Monaten passiert da gar nichts! Ich denke mal, die wissen warum und was jetzt folgt, wird, so vermute ich, seinen Ursprung in diesem Wissen haben.
Was ich bis jetzt noch gar nicht erwähnt habe, ist, dass ich ein Schreiben (kurz nach dem Ende meiner Arbeitslosigkeit) erhalten habe, in dem mir mitgeteilt wurde, dass ich keinen Versicherungsschutz mehr habe und ich meine Karte abgeben solle. Im normalen Geschäftsverkehr wäre es formaljuristisch einfach so, dass ich gar kein Mitglied dort bin. Ich denke mal, dass dieses auch der Grund dafür ist, dass die mir bis heute weder Mahnung noch Gerichtsvollzieher ins Haus geschickt haben und so unbedingt drauf drängen, dass ich mich dort an- und abmelden muss!
Eine Kündigungsbestätigung halte ich mittlerweile in meinen Händen, aber diese wird derzeit nicht akzeptiert. Warum nicht?
Also, ich war der Meinung, dass der Wechsel, unabhängig von eventuellen juristischen Streitigkeiten mit der AOK (wenn zwei sich streiten, muss halt ein Dritter entscheiden) nun, da ich mich bei der Techniker ja angemeldet hatte, problemlos vonstatten geht.
Da ich auch einige Tage nach meinem voraussichtlichen Wechsel der Krankenkasse noch keine Mitgliedskarte der Techniker Krankenkasse hatte, beschloss ich, mich dort einmal zu melden und erfuhr, dass ich noch die Kündigungsbestätigung zur Techniker Krankenkasse schicken muss. Die Kündigungsbestätigung würde wohl aufgrund der zeitlichen Verzögerung ihres Einganges nicht mehr anerkannt werden. Nun ja, lange Rede kurzer Sinn, heute habe ich erfahren, dass ich nochmals bei der AOK kündigen solle. Und das, obwohl ich dort gar kein Mitglied bin! Zumindest haben die von mir mittlerweile für 9 Monate noch nicht einen Cent gesehen und ich nutze vorsichtshalber auch die Karte nicht!
So meine Lieben, zumindest werde ich mir Gedanken darüber machen, mich bei einer Privaten Krankenversicherung zu versichern! Das ist zwar als alter Sozialist und bekennendes Mitglied der Arbeiterklasse eine schwieriger Schritt, aber ich halte den ganzen Umstand und auch die Ungewissheit, ob ich überhaupt krankenversichert bin oder nicht, nicht mehr allzu lange aus. Eventuell sollte ich mal bei der HUK-COBURG schauen! Bieten die eigentlich Krankenversicherungen an?
Die Fakten sind nun bekannt. Kurz und Knapp geht es mir um Folgendes:
1. Warum – wenn der Staat es zulässt, und bei Existenzgründern sogar ausdrücklich sehr lange, bis diese Ihre Steuererklärung abgeben – kann die AOK darauf bestehen, dass diese Unterlagen unverzüglich vorgelegt werden?
2. Warum ist es nicht möglich, überzahlte Beiträge im Nachhinein zurück erstattet zu bekommen? Ich würde ja den Höchstsatz zahlen, wenn nach Vorlage der Unterlagen dann richtig abgerechnet werden würde!
3. Wie ist es möglich, dass ich zur Abgabe bzw. zur Vernichtung meiner AOK Karte aufgefordert werde und trotzdem für den Zeitraum abgerechnet werden soll?
4. Wie ist es möglich, dass ich zur Abgabe bzw. zur Vernichtung meiner AOK Karte aufgefordert wurde, ich aber nicht direkt und ohne Einwilligung der AOK zur Techniker Krankenkasse wechseln kann?
5. Wie kann man jemanden, der aus der Arbeitslosigkeit kommt, auf Höchstsatz schätzen? Hätte ich in 2006 tatsächlich Geld verdient, so hätte ich kein Arbeitslosengeld erhalten und wenn doch, so hätte ich mich strafbar gemacht! De fakto war ich nach 3 Jahren mit 12 Stunden Tag und ohne Urlaub nervlich viel zu sehr am Ende, um auch nur einen nennenswerten Euro zu verdienen!
Jo Bo Said,
15. Januar, 2008 @ 22:12
Hallo auch,
liest sich wie ein Krimi! Schon fast unglaubwürdig, - doch halt, - ich habe ähnliche Erlebnisse mit der Krankenkasse, bei mir ist es nur die TK, die sich sehr einseitig die Beiträge eintreibt, mit allen Mitteln wie GV, HZA und auch Kontopfändungen, rückwirkend für 6 Jahre den Höchstsatz, (soll rechtswirksam sein).
Auch bei mir liegt der Fall so, dass eine Menge Selbstverschulden vorliegt, Unwissenheit gehört auch dazu, habe dem Steuerberater es anvertraut, - nur nicht kontrolliert -, meine GmbH beim Handelsreg/Amtsgericht auszutragen, die Vorbedingungen mit Gesell.versammlung/-beschluss, 3malige Anzeigen in Zeitungen, Abmeldungen aller Arbeitnehmer …., alles lag vor, nur die Abmeldung des Handelsregister eben nicht, für eine Fa., die nicht mehr existiert hat, seit 2002! Auch nach einer zwischenzeitlichen Anstellung, befristet auf 1 Jahr, hatte zur Folge mich als GF der nicht mehr existenten GmbH einzustufen (!) und mich mit den Höchstbeitrag zu beglücken.
Auch schriftliche Einsprüche werden ohne Kommentare/Begründungen abgeschmettert,- nun nach einer Berichtigungung der ESt der letzten Jahre durch den Steuerberater wollen Sie (TK) die zuviel eingetriebenen Beiträge nicht zurückzahlen oder verrechnen, sind mitten in dem Abwicklungsprozeß, - doch eines habe ich gelernt, - nie alleine gegen die sogen. Sozialkassen! Ich habe in den letzten 1,5 Jahren meine Mutter zuhause gepflegt, habe den Beruf zurückgeschraubt und nur von der Substanz gelebt. (Frage: wie geht es denn, dass die Kasse bei dir solche Summen vom Konto abbuchen können?) Ärger mit AOK, MDK und letztendlich TK waren für mich der reine Alltag. Meine Mutter wurde posthum noch in die Pflegestufe 2 “befördert”, nach einem EIL-Antrag, der über 6 Wochen brauchte, und erst nach dem Tod meiner Mutter jemand vom MDK vorbeikommen wollte!
Oh je , ich glaube ich höre besser auf, bin so in Rage! Doch da dein Bericht mir zeigt, dass es kein Einzelfall gibt, bei den “Hilflosen” (sicherlich sind es auch die kleinen Selbstständigen!), die scheinbar hilflos gegen den grossen KLOTZ nicht gegenan können, rechtlich, finanziell und auch psychisch und physisch.
Schick mir gerne weiter Erfahrungsberichte oder andere Reaktionen deiner Story.
Lieben Gruß von Jo 15.01.2008
Einigung mit AOK Bayern | Il(l)us Blog Said,
2. Mai, 2008 @ 16:48
[…] ein oder andere hat sicherlich meinen Artikel zu meinen Erfahrungen mit der AOK-Bayern gelesen. Das Thema konnte jetzt endlich abgehackt […]