Deutscher Journalismus im Untergang
Lange schon gehen mir einige Dinge im deutschen Journalismus so richtig gegen den Strich! Vermutlich sieht es in vielen Teilen der Welt aber auch nicht besser aus.
Michael Konken beklagt sich lautstark über die Bloger und parallel sinkt das Niveau von SZ und Spiegel bis unterirdisch!
Vorgestern in der Sauna habe ich doch mal wieder in der SZ gelesen und es hat mich geschüttelt. Seite eins war der Bombenanschlag auf das Marriott-Hotel in Pakistan. Auf Seite drei ging es dann weiter. Was ich da dann aber lesen musste war exakt das Bloger Niveau das Michael Konken erst vor gar nicht langer Zeit anprangerte und auch der Spiegel (durchaus wahrheitsgemäß) in einem Artikel über Bloger klarstellte. Ich zitiere ”David (der Bloger) hat keinen Stein (keine Recherchemöglichkeiten) in seiner Schleuder”.
Ja, Nachrichten müssen teuer recherchiert werden. Als Geselschafter von Cinestentreff.de und Eigentümer von Wasserbetten-news.de weiß ich natürlich wie teuer Recherche sein kann und das es immer problematischer wird (teils sogar unmöglich ist) diese Kosten wieder ein zu spielen. Trotzdem, von der SZ hätte ich mehr erwartet. Was der Leser in dieser Ausgabe erhalten hat war ein schön geschriebener Artikel über das Marriott-Hotel in Pakistan, seine Klientel und der Bewirtschaftung. Alles nett zu lesen (genau wie viele Blogs) doch nicht für einen Cent recherchiertes Material über hintergründe oder gar harte Fakten. Der Bombenanschlag diente nur einer Beschreibung der Situation wie Sie im Marriott-Hotel wohl gewesen ist. Diesen Artikel hätte jeder schreiben können der einmal dort war!
Man munkelt bei der SZ etwas von 20% Rendite. Stimmt diese Zahl so ist es nicht verwunderlich das kein Geld für saubere Recherche übrig bleibt.
Normale Wirtschaftsunternehmen arbeiten mit Renditen deutlich unterhalb von 10% und teils sogar unterhalb der 5% Grenze. 20% empfinde ich als einen Verrat an der sozialen Marktwirtschaft!
Dann muss man schon mal eine Seite mit einem seichten Reisebericht füllen wo eigentlich ein Artikel zum Bombenanschlag hingehört hätte. Etwas Gesülze darüber das die gesamte Regierung hätte drauf gehen können und nur ein Zufall dafür gesorgt hat das diese dann doch nicht anwesend war. Hätte auch noch jeder Bloger zustande gebracht. Das wirklich interessante, was wäre wenn? Wie sind die Automatismen der Atommacht Pakistan, falls wirklich der Staatsaperrat ausfällt? Etwas was mich wirklich informierter macht, das sind die Dinge die Interessieren. Ob im Keller des Marriott-Hotels eine Bar mit Alkoholausschank war wo nur Ausländer und Reiche Pakistanis Zugang hatten, interessiert mich in einem solchen Zusammenhang nur maginal!
Kurz: Von einer Zeitung wie der SZ erwarte ich deutlich mehr als ein Gesülze was auch irgendein Blogger hätte schreiben können der dort mal für eine Nacht Quartier bezogen hat. Man muss sich das alles mal wirklich bewusst reinziehen. Im Spiegel findet man eigentlich nur noch (hoch qualifizierte) Meinungsartikel und die SZ bringt Reiseberichte wo Politik hingehört!
Zu Herrn Konken: ja, auch dieser Artikel ist nicht mehr als Meinung und etwas Dampf. Als Bloger habe ich aber nicht das Selbstverständnis eines Journalisten sondern das eines Blogers der einfach die eigenen Gedanken eines Tages in einem Artikel zusammenfasst!
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